Ausstellung in der Galerie
"details"
vom 14.August bis zum 10.Oktober 2010 im Schloss Paffendorf
Fotografien von Klaus Erich Haun
Der Rorschachtest (Tintenklecks-Test) gilt als einer der
bekanntesten psychologischen Tests
Eindrucksvolle
kulturbedingte Unterschiede in den Testantworten sind
hierbei berichtet worden:
Eine dieser Untersuchungen
zeigte beispielsweise, dass Angehörige von Wüsten-
stämmen in
Marokko minutiöse Einzelheiten der Kleckse
viel stärker herausheben als dies für Europäer
typisch ist.
Samoaner andererseits geben relativ wenige Kleindetail-
Antworten, dagegen aber
eine große Anzahl von „Ganz-
antworten“; auch deuten sie in vergleichsweise großer
Zahl die
weißen Zwischenräume in den Klecksfiguren,
die sie als Gegenstände und nicht als Leerstellen
wahr-
nehmen - ...
Wie nehmen aber nun Europäer die Natur wahr? - Wir
kennen darüber keine bündigen Erkenntnisse
außer
individuellen Schilderungen, wie sie etwa bei Robert
Walser über den Wald nachzulesen
sind, und außer der
allgemeinen Erfahrung, dass „die Naturwahrheit nicht
vom ungeschulten Auge
wahrgenommen werden kann“,
wie es der englische Kunsthistoriker John Ruskin bereits
1834
formulierte. - Schauen wir uns die Fotografien von
KE Haun an, so stellen wir fest, dass hier
jemand zunächst
keine Ganzantworten gibt, sondern Details abbildet, aber
auch, dass sein Blick
unzweideutig einem geschulten Auge
entspringt.
Doch machen wir uns (noch einmal) klar: Fotografie ist
immer Ausschnitt, die Wirklichkeit in
ihrer grenzenlo-
sen Totalität bildet sie nie ab, sie ist – auch in digitalen
Display-Zeiten –
sucherbildabhängig. Und ihre Kunst
besteht gerade darin, einen bestimmten Ausschnitt aus
der
Wirklichkeit zurechtzurücken, ihn in einem bestimm-
ten Licht zu sehen, in einem besonderen,
vielleicht neuen
Kontext oder in einer ungewohnten Perspektive.

KE Haun folgt dieser Grundlegung konsequent, wenn er
bewusst Detailaufnahmen von Knospen,
Fruchtständen,
Blüten, Blättern ... in den Fokus nimmt. Diese Ausschnitte
„schneiden eben
aus“, sie begrenzen den Blick, akzentu-
ieren, bewerten, heben hervor. Gleichzeitig lassen sie
das
Umgebende, das Ganze erahnen, sie deuten ein Ganzes
an, das gedanklich-vorstellungskräftig
ergänzt werden
muss. Dennoch und deshalb bleiben Details im Vagen
und Mutmaßlichen – und in
der Spannung, im Geheimnis-
vollen.


Die Aufnahmen aus der Serie „details“ wollen das Ganze
im Detail nicht sichtbar, aber
erkennbar werden lassen,
seine Schönheit, Form und Gestalt. Sie verlangen, dass
man als
Betrachter der Bilder genauer hinschaut – und
danach dann auch als Betrachter der „Originale“
in der
Natur. Die Fotografien sind geradezu eine Schule des
Sehens, denn sie wenden sich gegen
die Flüchtigkeit des
Drüberhinweg-Sehens, gegen eine nur oberflächliche
Wahrnehmung der uns
umgebenden Um-Welt – nein,
stattdessen: hinschauen, hinwenden, zuwenden, in Dia-
log treten.
Wie heißt es doch so schön in der dritten Strophe von
Matthias Claudius‘ wohl berühmtestem
Gedicht? - Seht
ihr den Mond dort stehen?/ Er ist nur halb zu sehen und
ist doch rund und
schön./ So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost verlachen,/ weil unsre Augen sie nicht
sehn. - „Weniger sehen, aber mehr erkennen“ könnte
auch die Devise von KE Hauns Fotografien
sein.
HD Haun
www.beartung.de
Kontakt:
kehaun@bildersprache.biz
Handy: 0172-3182816