Ein
Höhepunkt, was Neugründungen von Schützenbruderschaften
betrifft, liegt wohl im 15. Jahrhundert, mit immerhin 135
Vereinsgründungen. So wurde auch die Paffendorfer St.
Sebastianus Schützenbruderschaft im Jahr 1422 gegründet. Diese
Datierung ist offensichtlich aus einer heute unbekannten
Beurkundung gewonnen worden, die bereits dem um die Geschichte
des Erftlandes besonders verdienstvollen Dechanten Dr. Hermanns,
der von 1915 bis 1941 Pfarrer in Paffendorf war, als Grundlage
gedient hat. Ihm verdanken wir zur Geschichte der Paffendorfer
St. Sebastianus Schützenbruderschaft noch weitere
aufschlussreiche Angaben, denen zur Erläuterung des knappen
Inhalts soweit erforderlich kurze Anmerkungen
angefügt wurden.
Im
Kirchenkalender des ältesten Paffendorfer Chorbuches vom Ende
des 15. Jahrhunderts wird schon die Fabianus- und
Sebastianusbruderschaft erwähnt. Dabei wird sie als eine neue
*Bruderschaft bezeichnet, der die gottseligen Vorfahren Güter
und Renten zu ewigen Gedächtnis für Jahresmessen geschenkt
haben, für die die Brudermeister Sorge zu tragen haben.
*Anm.:
Eine
neue Bruderschaft steht hier
offensichtlich für eine erneuerte Bruderschaft, denn unmittelbar
anschließend sind die Schenkungen der gottseligen
Vorfahren genannt. Verstehen wir nun unter den verstorbenen
Vorfahren, die sich Seelenmessen gestiftet haben, für die also
Ende des 15. Jahrhunderts die Brudermeister verantwortlich waren,
üblicherweise deren Großeltern, dann wird dadurch eine
Gründung im Jahre 1422 also 60 bis 70 Jahre vor der
angegebenen Erwähnung gegen Ende des 15. Jahrhunderts
durchaus glaubwürdig.
Wahrscheinlich ist diese Bruderschaft in den Fehden zwischen Jülich Berg und Geldern (1444 Schlacht bei Linnich) vorübergehend zum Erliegen gekommen. Bei den damals üblichen Plünderungen im Zuge solcher kriegerischer Auseinandersetzungen hatten in diesem Krieg namentlich die Jülicher Ämter, Kaster und Grevenbroich durch geldrische Reiterscharen schwer zu leiden. Die Paffendorfer Schützenbruderschaft dürfte als Folge dieser Ereignisse ihre Einnahmen verloren haben und damit zeitweilig zum Erliegen gekommen sein.
Im Register
der Paffendorfer Schulrenten von 1582 sind auch die
Bruderschaftsrenten genannt. Diese beliefen sich damals auf 16
Malter Roggen.
Anm.:
Die Bruderschaft war also wieder erstanden und im Besitz rentierlichen Vermögens, das durch die Roggenernte als Ackerland ausgewiesen ist.
Am 20. September 1772 wurden vom Paffendorfer Schützensilber 43 silberne Schilde im Gewicht von 2 Pfund und 19 Lot für die Beschaffung eines Ziboriums verkauft.
Anm.:
Im gleichen Jahr wurde das heute vorhandene Ziborium Silber vergoldet mit der auf der Unterseite eingeprägten Jahreszahl 1772 beschafft. Damit erklärt sich, warum außer dem Schild des Erich Adolph Vincenz v.d. Bongart, datiert 1663, keine alten Schilder mehr vorhanden sind. Die nächsten sind erst wieder ab 1728 datiert.
Eine Wiederbelebung der Schützenbruderschaft nach der Verbotszeit von 1937 bis 1947 begann nach der Zustimmung der britischen Militärregierung.
Einen
besonderen Verdienst um die Erneuerung der Bruderschaft nach dem
2. Weltkrieg erwarb sich der damalige Bürgermeister Bernhard
Schreckenberg. Ihm ist es zu verdanken, dass das 1.
Nachkriegsfest vom 18. bis 20. Juni 1949 in althergebrachter
Weise gefeiert werden konnte.